Bieler Künstler malen Burgdorf, 1978

Bieler Tagblatt, 2. September 1978

(Nicht nur) Bieler Künstler malen (nicht nur) Burgdorf

Idee und Bedürfnis, das Atelier mit Orten zu vertauschen, wo der Kontakt unter Künstlern selbst und der Bevölkerung möglich wird, ist nicht neu, immer aber, auch wenn Vorbehalte nicht wegzudiskutieren sind, wieder begrüssenswert. Sozusagen „auf Bestellung“ und mit zeitlicher und örtlicher Beschränkung zu schaffen birgt natürlich Risiken aller Art in sich; das Gelingen und die Gewährleistung von künstlerischer Substanz sind nicht versicherbar und somit ungewiss.

Zu Recht hat aber Martin Ziegelmüller als mitentscheidender Organisator die allen Einwänden zum Trotz positiven Züge des Unternehmens hervorgehoben, auch wenn es Künstler gegeben haben soll, denen die (oder einige) Mitaussteller zu unbedeutend waren, die also nicht mit dabei sind (aus der verfehlten Angst, ihre Bilder würden in „schlechter Nachbarschaft“ an Eigenwert und Ausstrahlungskraft einbüssen).

Die ursprüngliche Absicht, ausschliesslich Bieler Künstler Burgdorf malen zu lassen, musste aufgegeben und erweitert werden; sicher nicht zum Nachteil des Ganzen. Gewiss sind substanzielle Unterschiede im Ausstellungsgut kaum zu übersehen; doch es gibt keinen ernsthaften Grund, das Ergebnis als grundsätzlich verfehlt zu bezeichnen. Jene Kräfte, die zunächst auf gleichwelche Art kreativ wirksam werden und letztlich Gestalt annehmen wollen, sind faszinierend genug, um stets von neuem ernst genommen zu werden. Unter den ausgestellten Werken hat es zudem auch solche, die hohen künstlerischen Anforderungen auf meisterhafte Weise genügen.

Meiner Ansicht nach drängen sich besonders Arbeiten von Rosa Krebs-Thulin (Bern), Martin Ziegelmüller (Vinelz), Rolf Spinnler (Biel), Walter Geissberger (Bern) und Annemarie Würgler (Tschugg) in den Vordergrund - und das kaum aufgrund der Werkzahl.

- Ausführlicher geht der Kritiker auf Rosa Krebs-Thulin, Martin Ziegelmüller, Rolf Spinnler, W.G. (siehe nächster Abschnitt), Annemarie Würgler und Heinz-Peter Kohler ein.

Von handwerklichem Können und thematischer Besonderheit sprechen die Zeichnungen (Bleistift, Tusche, Kugelschreiber, u.a.) von Walter Geissberger. Beispiele wie „Pestalozzischlossfels“ und „es regnet über Burgdorf“ öffnen auch den Beziehungsreichtum des Hintergründigen.

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Konrad Pauli