Bieler Künstler malen Burgdorf, 1978

Burgdorfer Tagblatt, 27. August 1978

Interessante Ergebnisse in der Galerie Bertram:
Bieler Künstler malten Burgdorf

ig. Letzten Samstag wurde nun die Ausstellung der Arbeiten eröffnet, die während der letzten Wochen in Burgdorf entstanden waren. Nebst der Bieler Sektion der GSMBA wurden auch einige andere Künstler eingeladen. Martin Ziegelmüller, der das ganze angerissen hatte, vermochte in seiner kurzen Ansprache eine wohl richtige Einschätzung des ganzen Experiments zu geben: Es gelinge nicht jedem gleich gut, an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Thema, Burgdorf, ein Resultat zu erreichen, das seinem Können unter gewöhnlichen Umständen entspricht.

Man habe diese Erfahrung bei einem ähnlichen Versuch in Biel bereits gemacht, weshalb man hier nicht à tout prix auf dem Thema Stadt beharren wollte und es durchaus „erlaubt“ gewesen sei, auch in den Wochen vorher bereits hier zu arbeiten. Zudem wurden die Künstler dazu aufgefordert, auch Atelierwerke mitzubringen. Nicht alle beteiligten Künstler hätten schliesslich ihre Arbeiten ausstellen wollen; die einen nicht, weil sie mit ihren Ergebnissen nicht zufrieden waren, die andern nicht, weil sie die Bilder ihrer Kollegen zu schlecht fanden. Beide Standpunkte sind verständlich. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Tatsache, dass doch ein gewisser Kontakt zum Publikum stattgefunden hat, dass man verfolgen konnte, wie gearbeitet wird, nicht zuletzt auch, dass die Künstler sich gegenseitig bei der Arbeit kennenlernten.
Rosa Krebs-Thulin (Bern), Armin Heusser (Luterbach), Annemarie Würgler (Tschugg), Max Lanz (Biel), Kurt Hediger (Reinach), Rolf Greder (Biel), Paul Wiedmer (Burgdorf), Heinz-Peter Kohler (Biel), François Rueff (Biel), Martin Ziegelmüller (Vinelz), Rolf Spinnler (Biel), René Bürki (Olten), Der Berner Walter Geissberger gibt eine Probe seines Zeichentalentes, das einigen surrealistischen Einfällen zugrunde liegt, insbesondere ist der Pestalozzi-Schlossfelsen hervorzuheben.
Stefan Bieri (Merligen), Therese Häfliger (Burgdorf).
Eine abschliessende Bemerkung drängt sich mir auf: Ich bin eigentlich fast erschrocken darüber, wie, abgesehen von ein paar Ausnahmen, das gängige Burgdorf-Klischee, der Mythos Burgdorf, von den Künstlern nahezu kritiklos akzeptiert und damit weitergetragen wurde. Es ist doch so: das erste, was sich von Burgdorf erblicken lässt, wenn man von Biel (und nicht nur) her einfährt, sind die Lagerhäuser und Silotürme der Buchmatt und nicht das schöne Schloss. Burgdorf ist eine Industriestadt, und es ist unter keines Künstlers Würde, wenn er sich auch um die stillen Handfesten des 20. Jahrhunderts kümmert. So oder so: das Experiment war wichtig, es soll weitergeführt werden (bis 3. September).