Doppelausstellung Schmiedegasse 11, Geissberger/Bieri

Solothurner Zeitung, 23. August 1982

Feuilleton
Saisonbeginn im Solothurner Künstlerhaus
Zwei Berner Künstler

Stefan Bieri und Walter Geissberger bilden den Auftakt zur Ausstellungssaison im Solothurner Künstlerhaus an der Schmiedengasse 11, zwei Berner, die sich künstlerisch recht unterschiedlich artikulieren.

Vielseitige Begabung
Unruhiger, differenzierter, aber auch noch mehr als Suchender, der sich noch nicht ganz klar über seine eigene Linie ist, zeigt sich Walter Geissberger, der einerseits bunte Fotos aus Illustrierten ausschneidet, diese in gleichmässige kleine Rechtecke zerteilt, die er dann fünf mal fünf zu grossen Farbtafeln zusammenfügt, wobei er nur Lebensmitteldarstellungen als Themen nimmt. „KEK-Tafeln“ nennt er diese Arbeiten, wobei KEK für Koch- und Esskunst steht.
Daneben zeigt er origenelle „Selbstdarstellungen“, Köpfe, vom Kind- und in den verschiedensten Altersstufen bis zum Erwachsensein in fünf mal sieben Gruppen geteilt und so 35 Lebensjahre dokumentierend. Doch der Künstler begnügt sich nicht mit seinem fünf mal siebenfachen Konterfei und der Veränderbarkeit des Gesichtsausdrucks, er ordnet jeder Altersstufe auch noch Acessoires bei, die den Beschäftigungs- und Interessenstand dieser Zeitperiode symbolisieren sollen, vom Stofftier über die kleine Markensammlung, Elektrobasteleien bis zum künstlerischen Erguss. Dies ist recht raffiniert und auch mit Humor und einer tüchtigen Portion Selbstironie realisiert.
Plastische Ideen, sichtlich von Travaglini beeinflusst, werden vorläufig nur auf dem Papier (in dieser Ausstellung) realisiert, in den abstrakten „Quadratzeichnungen“ und den etwas flüchtig hingeworfenen Aktzeichnungen macht sich erneut eine andere Form des Ausdrucks bemerkbar.
Eine vielseitige Begabung ist spürbar, die gemässe Linie scheint jedoch noch nicht gefunden (bis 11. September).

Gerda Benesch