srt- Anlass 11.09.09: «Kunst und Kommerz»

Walter Geissberger alias Capra montes

Mein Lebensweg führte mich auf zwei Parallelen durch das Berufsleben – jener des pädagogischen Vermittlers von Gestaltung und Kunst aus wirtschaftlichen Gründen und jener des Künstlers der Bildenden Künste. Meine künstlerische Tätigkeit allein bildete keine Existenzgrundlage für meine Familie, sodass ich 1980 Gestaltungslehrer wurde. Identifikation war möglich, weil mein Lehrauftrag im Kunstbereich lag. Meine Ambitionen als unterrichtender Künstler sind eine Verbindung von Gestaltungskompetenz und pädagogischem Geschick. «Kunst und Kommerz» an der Schule für Gestaltung Bern.

Das lebenswichtige Refugium ist mein Atelier. Meine «Produkte» entstehen aus ganz persönlichen Motiven, nicht auf Bestellung, im Konsens mit einem Auftraggeber. Es ist mein inneres Bedürfnis, gestalterisch tätig sein zu müssen, zu wollen und zu können. Mit welchen Mitteln auch immer -  einem klaren Konzept folgend oder dem Spiel von «Zufällen» überlassen. Die Verarbeitung meiner geistigen Welt und das Verarbeiten des gesammelten Materialfundus sind meine Triebkraft.

Die pädagogische Tätigkeit verbunden mit grossem Interesse an den verschiedensten Materialien und Techniken sind das weite Experimentierfeld und die Basis für das Entstehen einer Vielfalt von Werkgruppen - von hyperexakten Bleistiftzeichnungen zu druckgrafischen Blättern, von Metallarbeiten in Blech- und Gusstechnik, zum Skulpieren in diversen Steinarten und dem Erfinden von Material-Assemblagen.

Kein Gedanke ist dem Verkaufserfolg gewidmet, obschon meine «Produkte» als teure Handelsgüter, die hohe Miete der Werkstätte decken sollten. Das Unterrichten beschränkte zeitlich mein freies Schaffen. An der Schnittstelle zwischen Beruf und Berufung konnte sich dennoch mit der Zeit ein Oeuvre entwickeln, von dem ab und zu etwas an die Öffentlichkeit gedrungen ist wie kürzlich im Kleinen Bund und in den beiden Atelierausstellungen 2007.